INTERVIEW ARASH DOSTHOSSEIN

Info: In der Jungle World ist ein Interview mit Ashkan Khorasani erschienen: Klick mich

Die Junge Welt hat ein Interview mit Arash Dosthossein, der am Protest am Rindermarkt teilnahm, geführt. Wir veröffentlichen hier das komplette Interview. Variante der Jungen Welt : Klick mich

Q: Wie habt Ihr die Räumung des Camps am Sonntagmorgen erlebt?

A: Wir sind schockiert, wie aggressiv und gewalttätig Deutschland im 21. Jahrhundert auf uns reagiert. Die Polizei ist erst einmal ohne Warnung an uns heran geschlichen und hat dann das Camp gestürmt. Wir haben also geschlafen, als plötzlich die Polizei uns attackiert hat. Zuerst hielten wir uns gegenseitig fest. Das hat ungefähr eine Stunde gedauert. Dann ist die Polizei mit Zwang und Gewalt gegen uns vorgegangen und hat uns zum Teil in Handschellen abgeführt.

Q: Offiziell gilt die Version, dass die Polizei das Camp stürmen musste, weil Ärzten der Zutritt verweigert wurde, während sich Menschen konkret in Lebensgefahr befunden hätten...

A: Das haben die Medien berichtet, welche einfach die offizielle Erklärungen übernommen haben. Vor dem Überfall am Sonntag hat die Stadt eine Atmosphäre geschaffen, die den Angriff rechtfertigte, indem sie behauptete, dass für einige von uns Lebensgefahr bestehen würde. Es war aber ein unabhängiger Arzt ständig im Camp. Ab Mittwoch waren bei uns rund um die Uhr unabhängige Mediziner im Camp, die hierzu noch eine Presseerklärung abgeben werden.

Q: Wie haben Sie den Arzt erlebt, der eine unmittelbare Lebensgefahr für einen Hunger- und Durststreikenden diagnostizierte?

A: Dieser Arzt war im Camp. Wir haben ihm aber untersagt, unsere Leute zu untersuchen, weil unabhängige Mediziner am Ort waren. Er hat also die Leute nicht untersucht und trotzdem behauptet, dass für einen von uns Lebensgefahr bestehen würde.

Q: Am Samstagabend kam es noch zu Verhandlungen mit Hans-Jochen Vogel und Alois Glück. Wie sind diese abgelaufen?

A: Die beiden haben uns aufgefordert, den Streik sofort abzubrechen, ohne ein konkretes Angebot zu machen. Sie haben uns lediglich das Wort gegeben, sich in diesem Falle persönlich dafür einzusetzen, dass unsere Verfahren beschleunigt behandelt werden. Wir Non-Citizens haben uns aber schon seit einethalb Jahren zusammengeschlossen und haben auch solch leere Worte bereits öfter gehört. Wir wissen mittlerweile, dass sich der Staat an solche Versprechungen nicht hält.

Q: Wenn man laut offizieller Version das Camp gestürmt hat, um Leben zu retten: War das Verhalten der Polizei diesem Ziel angemessen?

A: Mit dieser Aktion wurden die Menschen erst in Gefahr gebracht. Ähnliches hat man in der Türkei vor einigen Jahren bei Hungerstreikenden im Gefängnis praktiziert: Man unterbindet die Hungerstreiks mit aller Gewalt und nennt die Aktion "Zurück in das Leben", obwohl dabei mehrere Menschen umgekommen sind. Das ist eigentlich nur ein Spiel mit Wörtern.

Q: Die offizielle Begründung war also eine humanitäre Aktion, in Wahrheit wurde bewusst mit Gewalt vorgegangen, um vor weiteren Aktionen dieser Art abzuschrecken?

A: Das ist richtig. Ich habe den Eindruck, dass dergleichen und auch die anschließende, ausgesprochen rüde Behandlung der Hungerstreikenden in ihren Zellen in Deutschland mittlerweile zum Normalzustand geworden sind. Ich wurde in den letzten einethalb Jahren 13 bis 15 mal festgenommen und jedes mal war die Behandlung durch die deutsche Polizei die gleiche.

Q: Offiziell wird angenommen, dass euer Sprecher Ashkan Khorasani die Aktion benutzt hat, um sich selbst als politischer Führer zu stilisieren...

A: Diese Erklärung ist natürlich Unsinn. Unsere Forderungen sind deswegen politisch, weil sie von Natur aus politisch sind.

Q: Eure Erklärungen sind nicht nur Verlautbarungen über eure unmittelbare Situation als Flüchtlinge, sondern auch Analysen von links...

A: Es gibt keinen Kampf ohne linke Inhalte, weil jeder Kampf letztendlich ein Klassenkampf ist. Auch Leute, die nicht mit linken Ideen in unseren Kampf treten, werden durch die Praxis sehen, dass es ein linker Kampf ist.

Q: Ist die EZLN in Mexiko ein Vorbild für Euch?

A: Wir untersuchen die Erfahrungen der internationalen Bewegungen und ihre Theorien. Für unseren Kampf haben wir aber unabhängige Theorien und Ansichten.

Q: Ihr habt Euch in Euren Erklärungen zum Hungerstreik auf Bobby Sands und Holger Meins bezogen. War das kontraproduktiv oder seht Ihr Euch tatsächlich in dieser Tradition?

A: Wir haben damit der Polizei ein Argument in die Hand gespielt, das Camp zu stürmen, in diesem Sinne hat uns das nicht genutzt. Andererseits wusste damit die Stadt, dass sie es mit Leuten zu tun hat, die auf die Straße nicht gehen, um zu betteln, sondern um zu kämpfen. Wir haben keine Alternative zum Kampf. Wenn wir nicht kämpfen gibt es eigentlich nur zwei Optionen: Auf die Abschiebung zu warten oder sich gleich umzubringen.

Q: Mehrere von Euren Leuten im Camp waren konkret von Abschiebung bedroht. Hat sich an deren Situation nun etwas geändert?

A: Es hat sich einiges bewegt: Eine Abschiebung wurde bereits verhindert und es steht zur Zeit auch nicht zur Diskussion, weitere Leute von uns abzuschieben.

Q: Der bayerische Innenminister hat verlautbaren lassen, dass Euer Sprecher Ashkan Khorani Leute zu einem Hungerstreik instrumentalisiert hat, die gar nicht begriffen haben, um was es dabei geht. Ist das nicht eine Aussage, die im Grunde rassistisch ist?

A: Natürlich ist so eine Bemerkung durch und durch rassistisch. Auch die Süddeutsche Zeitung hat über uns gerätselt, wie es möglich sei, dass Asylsuchende wissen, wer Holger Meins war. Ich komme zwar aus Persien, fordere aber den Autoren auf, mit mir über 68er Bewegung in Deutschland und die Mai-Revolution in Frankreich zu diskutieren. Dann kann man ja sehen, wer von uns sich darüber besser auskennt.

Q: Ich war am Samstagnachmittag bei Eurem Camp und habe dort den für die Münchner Fußgängerzone typischen Wohlstandspöbel erlebt. Wie habt Ihr die Reaktionen auf Eure Aktion aufgefasst?

A: Wir haben in den letzten einethalb Jahren In Deutschland sehr viele böse, aber auch sehr gute Reaktionen erlebt. Unsere Forderungen werden sowohl von politischen Gruppen und Gewerkschaften unterstützt.

Q: Habt Ihre konkrete Unterstützung von den Gewerkschaften erfahren?

A: Wir haben von den Gewerkschaften keine direkte Unterstützung erhalten, aber viele Leute, die uns unterstützt haben, waren Gewerkschafter. Wenn wir die Mittel hätten, um mit der gesamten deutschen Gesellschaft zu kommunizieren, könnte ich mir vorstellen, dass die große Mehrheit auf unserer Seite wäre.

Q: Der zentralen Perversion im Kapitalismus, dass die Dinge über den Menschen stehen, sind die Non-Citizens, die nicht einmal legal ihre Arbeitskraft zu Markte tragen dürfen, am stärksten ausgesetzt...

A: Natürlich. Ein Stück Papier namens Pass macht mich hier erst zum Menschen, der überhaupt erst Rechte hat: Die Aufenthaltserlaubnis, die Erlaubnis mich frei zu bewegen, auf die Schule zu gehen, zu studieren.

Q: Die Non-Citizens sind in Deutschland sozial das schwächste Glied. Jetzt macht aber der deutsche Staat die Entdeckung, dass die Schwächsten gar nicht so schwach sind. Wie geht es den Leuten, die diese Erfahrung gemacht haben?

A: Die Non-Citizens sind nicht das schwächste Glied in der Gesellschaft, sondern die unterste Schicht der Arbeiterklasse. Das ist keine Schwäche, sondern ein Kampf um Rechte, der zu ihrem Leben gehört, weil sie nicht anders handeln können. Nach unserer Analyse sind die Non-Citizens radikal, weil sie etwas gewinnen wollen und nichts zu verlieren haben. Dieser Kampf ist das Mittel, um zu überleben.

Der Grund, warum die Leute aus ihren Ländern fliehen ist in der kapitalistisch-imperialistischen Weltordnung zu suchen. Darüber muß man sich erst einmal klar werden. Wenn Deutschland illegal Waffen in alle Welt exportiert, dann muß es auch darauf gefasst sein, dass die Leute auch hier herkommen, die unter menschenwürdigen Bedingungen hier leben wollen. Wir denken nicht, dass der deutsche Staat das Recht hat, uns den Aufenthalt zu verweigern. Ich bin im Iran mit Geräten Made in Germany gefoltert worden. Ich habe an meinem Körper noch diese Narben.

Q: Sie sind also im Iran nachweislich gefoltert worden und Ihr Asylantrag ist nicht genehmigt?

A: Ich bin kein Einzelfall. Viele Leute, die gefoltert worden sind, haben in Deutschland bisher keine Aufenthaltsgenehmigung bekommen.

Q: Wie geht es bei Euch weiter?

A: Auf diese Frage kann ich schlecht eine Antwort geben, weil wir uns gerade in einer Diskussionsphase über unsere nächsten Pläne befinden. Aber der nächste Plan wird nicht sehr lange auf sich warten lassen.

Anti-Repressions Arbeitsgruppe | Anti-Repression Workgroup

English below:

-- Bei Fragen rund um Repression, Polizeigewalt, Inhaftierung - spätestens
wenn ihr Post von Staatsanwaltschaft oder Polizei bekommt: medlet euch bei
uns!

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Video + Fotos Räumung

 

Fotos: Klick mich

Siebte Pressemitteilung der streikenden Asylsuchenden in München

Einladung zur Pressekonferenz heute, um 15.30 Uhr am Rindermarkt und Aufklärung über brutale Campräumung nach Lüge über Angebot

Das Protestcamp am Rindermarkt ist heute gegen 05:00 Uhr morgens unter massivem und brutalem Polizeieinsatz geräumt worden.

 

Bei der gestrigen Verhandlung der Behörden mit dem Vermittler der Asylsuchenden wurde von ers­teren erklärt, dass die Vermittler_innen erstens keine Verhandlungsvollmachten hätten und zweitens die Verhandlungen erst dann weitergeführt werden würden,wenn die Protestierenden den Hunger- und Durststreik abbrächen. Die Meldung, dass uns eine Aufenthaltsgenehmigung nach Artikel 23 in Aussicht gestellt wurde, ist gelogen. Von den Behörden wurde keinerlei Angebot gemacht. Stattdes­sen wurden die Verhandlungen für gescheitert erklärt und das Camp am nächsten Morgen geräumt. War die Räumung also schon geplant? Das Verhalten der Behörden jedenfalls lässt vermuten, dass es keine Kompromisslösung geben und eine Räumung bereits provoziert werden sollte.

 

Unter dem Deckmantel eines humanitären Eingriffs wurde der Rindermarkt von einem riesigen Po­lizeiaufgebot gestürmt, wobei die Form des Einsatzes sofort offensichtlich machte, dass die Räu­mung nicht die Rettung von Menschenleben zum Ziel hatte, da das polizeiliche Vorgehen für die Menschen vor Ort in ihrer aktuellen Situation höchst lebensgefährlich war: Die Durststreikenden wurden ohne Anwesenheit von Mediziner_innen angegriffen, geschlagen und getreten, sodass sie unter Schmerzen stöhnten.

 

Die Polizei kam innerhalb von Sekunden auf das Gelände und verschaffte sich mit Gewalt Zutritt zum Camp. Erst, als sie sich bereits innerhalb des Camps befand, erklärte die Einsatzleitung die Versammlung für beendet und forderte alle Anwesenden zum Verlassen des Areals auf. Die Auffor­derung wurde nur auf deutsch und in aggressivem Tonfall ausgesprochen. Rechtlich gesehen muss eine Versammlung jedoch vor einer Gewaltanwendung aufgelöst und nach einer gewaltfreien Auflö­sung gesucht werden. Das gewalttätige Vorgehen der Polizei ist vor allem deshalb nicht zu rechtfer­tigen, da wir, die bereits 5 Tage lang nichts getrunken haben, immens geschwächt und teils schla­fend in den Zelten lagen, als die Polizei diese stürmte.

 

20 bis 30 Unterstützende bildeten eine Kette vor den Zelten, sie wurden jedoch von der Polizei überrannt und zu Boden gebracht. Dann startete die Polizei sofort den unmittelbaren Zugriff auf hungerstreikende Asylsuchende unter Gewaltanwendung. Es wurden Schmerzgriffe angewendet, Menschen zu Boden gedrückt, Gliedmaßen verdreht. Mehrere Menschen haben unter Schmerzen geschrien. Die Menschen, die sich innerhalb des Camps befanden, hatten drei Gruppen gebildet, die sich gegenseitig zum Schutz hielten, diese wurden nacheinander aufgelöst.

 

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch immer drei Kinder in dem Camp. Die zwei Geschwister von 8 und 9 Jahren mussten dabei zusehen, wie ihre Eltern von der Polizei angegriffen und miss­handelt wurden. Die hochschwangere Frau wurde geschubst und fiel hin, während sie ihr 16 Monate altes Kind auf dem Arm hatte. Das Jugendamt, das in den Tagen zuvor stets besonders besorgt um die Sicherheit der Kinder gewesen war, sah in diesem Moment tatenlos zu.

 

Auch Menschen mit offenen Wunden an Händen und Beinen wurden attackiert, und das ohne die Anwesenheit von Ärzt_innen. Von der Polizei wird ihr Vorgehen, Frauen und kranken bzw. extrem geschwächten Menschen Gewalt zuzufügen, als humanitärer Eingriff bezeichnet. Das ist eine bloße Verhöhnung der Menschenrechte und des Artikels 1 der Verfassung, welcher besagt, dass die Wür­de des Menschen unantastbar sei. Das Vorgehen der Polizei ist in keinster Weise zu rechtfertigen!

 

Außerhalb des Camps wurden die Polizeiführungskräfte mehrfach auf ihr rechtswidriges Verhalten hingewiesen, haben jedoch diese Hinweise stets nur belächelt. Hungerstreikende wurden teils von der Feuerwehr auf Liegen hinaus getragen, teils jedoch unter ve­hementem Widerstand von Polizist_innen hinaus gezerrt und unter Gewaltanwendung oder gar in Handschellen abgeführt. Die Polizei drängte die Unterstützer_innen, die sich außen um das Camp befanden, unter dem Vorwand des humanitären Einsatzes weg. Die meisten Asylsuchenden wurden anschließend in verschiedene Krankenhäuser gefahren, einige jedoch wurden ohne medizinische Begleitung zur Polizeistation gefahren. Als das Camp von Menschen geräumt war, fuhren Containerwagen vor, um das gesamte Campma­terial mitsamt privater Besitztümer zu entfernen.

 

Zwei Durststreikende berichten, dass sie sich nach ihrer Abführung und dem Transport zum Polizei­präsidium gezwungen wurden, sich nackt auszuziehen. Sie und weitere Asylsuchende erhielten während ihres gesamten Aufenthaltes in der Polizeigewahrsam keinerlei medizinische Versorgung, obwohl die für sie lebensgefährliche Situation nach Tagen des Hunger- und Durststreiks bekannt war. Sie wurden einer ID-Behandlung inklusive der Abnahme von Fingerabdrücken unterzogen. Ei­nigen wurde keine Dolmetscher_innen gestellt.

 

Aufgrund des brutalen Polizeieinsatzes in den frühen Morgenstunden musste die für heute einberufene Pressekonferenz um 12h abgesagt werden. Deshalb laden wir, die streikenden Asylsuchenden, heute um 15.30h zu einer Pressekonferenz am Rindermarkt ein. Wir werden die Umstände, unter denen die Verhandlungen und die Räumung erfolgten, aufklären und un­sere nächsten Schritte ankündigen.

 

Die streikenden Asylsuchenden in München

 

Kontakt

Email: media Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Telefon: Houmer Hedayatzadeh (englisch): 0152 14045382
Internet: www.refugeetentaction.net
Facebook: https://www.facebook.com/Refugeemarch?ref=hl

 

Räumung in München | Evacuatiuon in Munich

Die Polizei hat das Camp in München evakuiert und die Unterstützenden festgenommen bzw. in 3-4 Gruppen auseinandergetriebenen. Die Durststreikenden werden brutal weggetragen.Refugees wehren sich gegen die Festnahmen und werden von der Polizei geschlagen.

The police evacuated the camp in munich an arrested or seperated the supporters from the strikers. The striking refugees are carried away by them very brutal.Refugees who are not willing to get transported got beaten by the police.

Die sechste Pressemitteilung der hungerstreikenden Asylsuchenden in München

Um den Hungerstreik am Münchner Rindermarkt beurteilen zu können, sollten einige Aspekte des Protests innerhalb der letzten anderthalb Jahre näher in Augenschein genommen werden.

Wir, die streikenden Asylsuchenden, analysieren wie bereits zuvor das Phänomen „Flüchtling“ stets im Kontext der existierenden politischen und wirtschaftlichen Strukturen. Dass wir uns dabei auch mit dem Phänomen „Kapitalismus“ und dessen Auswirkungen befassen, ist dabei nahe liegend. Wir entwickeln hieraus unsere Position in dieser Gesellschaft, welche als Ausgangpunkt für weitere Analysen essentiell ist. Damit treten wir bewusst dem gängigen Bild von „Flüchtlingen“ entgegen, einem Bild von unfähigen, hilflosen Menschen, die lediglich auf der Suche nach Zuflucht sind. Ein Bild, das wir Asylsuchende mit absoluter Ernsthaftigkeit verändern wollen.

Unsere Position innerhalb der bestehenden Strukturen haben wir unter anderem in dem Refugee Struggle Congress im März 2013 erarbeitet. Teil dieser Auseinandersetzungen waren die Vernetzung der Asylsuchenden sowie ihre Unabhängigkeit und Selbständigkeit, wobei eine klare Definition der Form der Unterstützung von Gruppen und Einzelpersonen ein unumgängliches Thema war.

Die Frage, welche Rolle Unterstützer_innen innerhalb dieses Protestes einnehmen, der die Selbstorganisierung und die Sebstbestimmung der aktuell Betroffenen stets in den Vordergrund stellt, ist für alle Beteiligten von äußerster Wichtigkeit.

Aktuell befinden wir uns in einer Situation, in der wir aufgrund des trockenen Hungerstreiks gewisse Aufgaben nur in Zusammenarbeit mit Unterstützer_innen bewältigen können. Dazu zählen die logistische Organisation, die medizinische Versorgung sowie der Schutz vor der realen Bedrohung seitens neonazistischer Gruppen und vor ständiger rassistischer Belästigung durch zahlreiche Passant_innen. Dass wir physisch und psychisch momentan nicht in der Lage sind, täglich mehrere Interviews und Verhandlungen mit Politiker_innen durchzuführen, wird aufgrund des trockenen Hungerstreiks nachvollziehbar sein. Die Vermittelnden, die unsere Mitteilungen nach außen tragen, sind inhaltlich nicht beeinflusst von dem Unterstützer_innenkreis und stehen in ständigem und intensivem Austausch mit den durststreikenden Asylsuchenden im Zelt.

Im Verlauf des bisherigen Protests war es uns unter anderem durch die umfangreichen Informationsquellen möglich, uns ein Bild über die sozialen Potestbewegungen innerhalb Europas zu machen. Hierbei sind wir immer wieder auf Beispiele gestoßen, in denen der Hungerstreik auch in Europa als radikale aber friedliche Protestform angewendet wurde. In der Benennung dieser Beispiele ging es uns nicht um einen Diskurs über die jeweiligen politischen Inhalte, sondern um die Verdeutlichung der Ernsthaftigkeit unserer Situation und unserer hieraus entstandenen Forderungen. Forderungen, die wir klar definiert seit März 2012 auf die Straßen getragen haben und die bislang von den politisch Verantwortlichen ignoriert wurden. Daher sind wir bereit, die möglichen Konsequenzen eines Hungerstreiks in Kauf zu nehmen.

Die hungerstreikenden Asylsuchenden in München

 

Kontakt:

Email: media Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Telefon: Ashkan Khorasani (englisch): 0152 33706273
Internet: www.refugeetentaction.net
Facebook: https://www.facebook.com/Refugeemarch?ref=hl